Geschichte der Wittlager Kreisbahn

Die ehemalige Wittlager Kreisbahn (WKB) entstand etwa zur gleichen Zeit wie die meisten deutschen Klein -und Privatbahnen, ebenso wie auch die benachbarten Mindener Kreisbahnen Ende der neunziger Jahre des 19.Jahrhundert.

Im Gegensatz zur MKB wurden das
WKB- Streckennetz in der Normalspur angelegt, was von  Anfang an den Wagenübergang auf die Strecken der Staatsbahn ermöglichte. Die Eröffnung der ersten WKB-Strecke von Holzhausen-Heddinghausen an der Staatsbahnstrecke Bünde-Rahden nach Bohmte, an der bedeutenden Hauptstrecke Ruhrgebiet - Bremen gelegen, erfolgte am 9.August 1900 (Länge 20 km). Die WKB feierte somit bereits ihren hundertsten Geburtstag .

Zweck des Bahnbaus war auch hier die Erschließung des landwirtschaftlich geprägten früheren Landkreises Wittlage in der preußischen Provinz Hannover sowie des Westteils des Kreises Lübbecke. Die Strecke verläuft westwärts immer an der Nordseite des Wiehengebirges von Holzhausen bis Bad Essen und schwenkt dann in nordwestliche Richtung bis Bohmte. Die Wittlager Kreisbahn entstand in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Ihre Eigentümer waren der preußische Staat, die preußische Provinz Hannover , die Anliegergemeinden sowie zahlreiche Privatpersonen und Unternehmer.

Nachdem die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE) eine Bahnlinie von Holdorf nach Damme errichtete, verlängerte die WKB kurz vor dem ersten Weltkrieg ihre Bahnlinie von Bohmte nach Damme (20 km) und stellte so den dritten Anschluss an die Staatsbahn her. So konnte neben den bisherigen Hauptgütern Kartoffeln, Schlachtvieh, Dünger und Landmaschinen nunmehr von der neu errichteten Moorzentrale Schwegermoor auch Torf in großen Mengen abgefahren werden. Die Streckenlänge war damit auf 40 km angewachsen.

Die WKB führte lange Jahren einen bedeutenden Personenverkehr zwischen Bohmte und Lübbecke. In den sechziger Jahren wurde auch der Personenverkehr der WKB auf Busverkehr umgestellt, zuerst 1962 zwischen Damme und Hunteburg, 1966 auch auf dem Reststück. Es verblieben noch einige Jahre Schülerzüge auf der Stammstrecke . Seit 1971 ist der planmäßige Personenverkehr beendet.

Außer dem Triebwagen T 3 ist keiner der ehemaligen WKB-Triebwagen in Deutschland erhalten geblieben. Das nebenstehende Foto von Hans-Joachim Scharmacher zeigt den bereits abgestellten T 1 der WKB im Bf Preuß. Oldendorf kurz vor dessen Zerlegung im Jahre 1973.

 

Der Güterverkehr zwischen Damme und Schwegermoor endete ein Jahr später. Die Strecke wurde sofort danach abgebaut. Seit 1963 endet das WKB-Streckennetz in Schwegermoor. Die Museums-Eisenbahn Minden befuhr seit ihrer Gründung 1977 stets das gesamte Streckennetz von Holzhausen-Heddinghausen bis Schwegermoor . Der jetzige Eigentümer der Bahn , die "Verkehrsgesellschaft des Landkreises Osnabrück" (VLO) hat leider mit Ablauf des Jahres 1999 wegen des schlechten Gleiszustandes den Streckenabschnitt Bohmte - Schwegermoor für den Dampfzugverkehr der MEM gesperrt, so dass am 02.01.2000 hier der letzte Personenzug verkehrte.

Auch der Streckenabschnitt zwischen Preußisch Oldendorf und Holzhausen=Heddinghausen ist derzeit aus technischen Gründen gesperrt, so dass die MEM-Dampfzüge nunmehr nur zwischen Preußisch Oldendorf und Bohmte verkehren können. Leider gibt es derzeit keine berechtigten Hoffnungen, dass bald wieder Züge zwischen Preußisch Oldendorf und Holzhausen=Heddinghausen verkehren können. Das Streckenstück würde wegen fehlenden Güterverkehrs ausschließlich dem Touristikverkehr der MEM dienen, die aber die Aufarbeitung und Unterhaltung dieses Abschnitts nicht tragen kann. Die Zukunft der gesamten Strecke hängt allein davon ab, dass es gelingt, wieder ausreichend starken Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Dies ist aber lediglich für den Abschnitt Bohmte=Ost – Wittlage Anschluss gesichert. Ein seit 2004 neu entstandenes Anschlussgleis in ein Industriegebiet in der Ortslage Wittlage bescherte der VLO eine enorme Ausweitung des Schienengüterverkehrs . Geänderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie der Wille, die ökologischen und ökonomischen Vorteile des Schienenverkehrs zu nutzen, führen bei der VLO in den Jahren ab 2005 zu  einem stetigen und bemerkenswerten Zuwachs in der Tonnage, so dass im Jahre 2007 die Anschaffung einer leistungsfähigen Diesellok für den Güterverkehr erforderlich wird. 

Um den Torfverkehr, Düngemittelverkehr sowie die Holzverladung zu optimieren sowie zusätzliche Abstellgleise zu gewinnen, erwirbt die VLO in 2007 von der DB die Rangiergleise sowie die Ladestrasse im Bahnhof Bohmte und verlegt neue Gleise.

Übrigens ist im August 2000 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der WKB im Verlag Uhle & Kleimann, Lübbecke, eine Neuauflage des seit vielen Jahren vergriffenen Buches "Die Wittlager Kreisbahn" erschienen. Hierin wird die ganze Geschichte der WKB bis zum heutigen Tage interessant und ausführlich geschildert. 
Auch für den lange bereits ruhenden Verkehr auf dem Streckenabschnitt zwischen Holzhausen- Heddinghausen DB und Preuß.Oldendorf gibt es ab 2009 wieder neue Hoffnung, nachdem sich die Stadt Preußisch Oldendorf erfolgreich in einem landesweiten Förderwettbewerb "Ab in die Mitte" mit dem Projekt der Reaktivierung dieser klassischen inner- gemeindlichen Schienenverbindung durchsetzen konnte. Das vorgestellte Projekt strebt langfristig  die Wiederbelebung dieses Streckenabschnitts an, fördert die politische und bürgerschaftliche Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Schienenverkehrs und soll zuerst die endgültige Still- legung und den Abriss verhindern. Als erster wichtiger Baustein gelingt es dem Streckenbetreiber VLO,  im Bahnhof Holzhausen-Heddinghausen die lange gesperrte Einführungsweiche in das VLO-Streckengleis durch die DB  im Oktober 2008 erneuern zu lassen.

(zusammengestellt von Klaus Görs)

Weiterführende Literatur

Gerd Wolff : Deutsche Klein-und Privatbahnen, Bände 2 und 3, Verlag Wolfgang Zeunert, Gifhorn

Ingrid und Werner Schütte : Die Mindener Kreisbahnen , Verlag Uhle & Kleimann, Lübbecke

Hans Schweinefuß , Bernhard Uhle : Die Wittlager Kreisbahn , Verlag Uhle & Kleimann, Lübbecke